Traditionen zum Jahreswechsel

Silvesterbräuche

Silvester gilt international als die größte Party des Jahres. Gemeinsam mit Familie, Freunden und der ganzen Welt verabschieden wir uns vom vergangenen Jahr und blicken erwartungsvoll ins nächste – begleitet von Feuerwerk, Bleigießen und Dinner for One.

Lautstark gegen Geister

Pünktlich um zwölf starten unzählige leuchtende Raketen in den Nachthimmel. Begleitet von zischenden Chinaböllern und funkensprühende Pyramiden erzeugen sie dabei nicht nur beeindruckende Farbexplosionen, sondern sorgen auch für eine einzigartige Geräuschkulisse. Und genau hier findet sich auch der Ursprung dieser Tradition. Schon vor dem Mittelalter glaubte man daran, dass der mitternächtliche Krach böse Geister vertreibt. Aus diesem Grund läuten auch die Kirchturmglocken ausgiebig das neue Jahr ein. Auf das Aufhängen von Wäsche sollte in der Neujahrsnacht nach altem Aberglaube ebenfalls verzichtet werden, wenn man nicht möchte, dass sich Geister darin verfangen.

Prost Neujahr!

Inmitten der Knallerei wird schließlich auf das neue Jahr angestoßen und man wünscht sich viel Glück und "Prost Neujahr!". Letzteres geht auf das lateinische Wort "prosit" zurück und bedeutet so viel wie "Es möge gelingen". Der Ausruf "Guter Rutsch!" hat übrigens weniger damit zu tun, auf eisigem Wege ins neue Jahr zu schlittern, sondern lässt sich auf das hebräische Wort "Rosch" zurückführen, das für "Anfang" steht.

Dinner for One – ein Klassiker

Ein Silvesterritual, das sich erst in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat: sich den Sketch "Dinner for One" im Fernsehen anzusehen. Das Format wird seit 1972 zu Silvester jährlich ausgestrahlt. Die Geschichte rund um den Butler James und die schrullige Miss Sophie zu schauen, ist für viele Menschen mittlerweile ein Teil ihrer Silvestertradition.

Was wenige wissen: In Großbritannien selbst ist der Sketch großteils unbekannt. In 2019 wurde er aber zum ersten Mal zu Neujahr ausgestrahlt.

Blick in die Zukunft

Bis vor wenigen Jahren zählte Bleigießen zu einer der wichtigsten Traditionen an Silvester. Dabei wird ein Stück Blei in einem Metalllöffel so lange über einer Kerze erhitzt, bis es flüssig ist. Anschließend wird die Flüssigkeit in ein Glas mit kaltem Wasser gekippt. Das heiße Blei kühlt abrupt ab und wird hart. Die so entstandenen Gebilde werden anschließend vor eine Taschenlampe gehalten und Figuren und Objekten zugeordnet – beispielsweise Säbel, Frau oder Hammer. Jede Figur hat dabei eine andere Bedeutung und soll somit einen kleinen Ausblick auf die Zukunft liefern. Der Brauch stammt bereits aus der Zeit der Germanen und Römer, die es auf ähnliche Weise versucht haben.

2018 legte die Europäische Union einen neuen Grenzwert für den Bleigehalt in Produkten fest. Dadurch wurde Bleigießen verboten. Wer nicht auf den Blick in die Zukunft durch das Interpretieren von Figuren verzichten möchte, kann Wachs anstelle von Blei nutzen.

Stand, 21. Dezember 2021